Wo befanden sich die Sammlungen in der Meckel-Ära?

Wo befanden sich die Sammlungen in der Meckel-Ära?

Über mehrere Jahrzehnte waren die Sammlungen in einem der markantesten Häuser Halles, im sog. Riesenhaus am Großen Berlin (heute in der Großen Brauhausstraße 16), untergebracht. Dort befanden sich die Sammlungsstücke in mehreren Räumen des Hinterhauses.

Das Riesenhaus am Grossen Berlin : Unterbringungsort der Meckelschen Sammlungen bis zu Beginn der 40er Jahre des 19. Jahrhunderts.

Welche Präparate waren zu finden?

Bis etwa um 1830 hatten die Meckelschen Sammlungen ihren höchsten Bestand erreicht. In Schränken, Repositorien (regalartige Gestelle), Kisten sowie auf Tischen wurden Trocken- und Feucht-Präparate aufbewahrt. Sehr viele Präparate waren zur allgemeinen und speziellen Knochenlehre sowie zu Abweichungen und krankhaften Veränderungen des Skelettsystems. Einige Schädel stammten von „syphilitischen Personen“; Röhrenknochen zeigten Zeichen von „Rhachitis, Osteomalacie, Caries“. Des weiteren konnten Skelette von Entwicklungsstadien vor und nach der Geburt gefunden werden. Sehr viele Injektionspräparate dienten der Darstellung von Blutgefäßen in den einzelnen Organen des Körpers. Verschiedene Präparate waren zur Darstellung von Lymphgefäßen mit Quecksilber injiziert. In Schränken verschiedener Räume waren Mägen, Blinddärme, Dick- und Dünndärme usw. deponiert. Viele trockene und feuchte Präparate zur pathologischen und vergleichenden Anatomie waren Bestandteil des gewaltigen Arsenals. Auffällig mussten Fehlbildungspräparate gewesen sein.

Ein menschlicher Thoracopagus. Die „siamesischen“ Zwillinge sind im Bereich des Brustbeines skelettal verwachsen. Präparat aus der Sammlung von Meckel

Erst zu Beginn der vierziger Jahre des 19. Jahrhunderts wechselte der Standort in die Residenz, wo die Anatomie bereits etwa 50 Jahre ihren Sitz hatte, nachdem das Coschwitz‘sche Theatrum anatomicum als Unterbringungsort verlassen wurde. 1836 hatte die Witwe Meckels, Friederika geb. v. Kleist (1789-1874), die Privatsammlungen für 25.000 Taler an die Universität verkauft. Die Übernahme der Meckelschen Sammlungen war ein Gewinn, denn die anatomische Sammlung der Universität war zu diesem Zeitpunkt nur spärlich mit Präparaten ausgestattet.

Injektionspräparat der Blutgefäße der Magenwand. Trockenpräparat der Meckelschen Sammlungen.