Wer waren Ihre Begründer?

Wer waren Ihre Begründer?

Johann Friedrich Meckel d. Ä., Anatom und Arzt in Berlin, begründete die Sammlungen. Wie umfangreich seine Sammlung war, lässt sich nicht eindeutig klären. Er stellte eindrucksvolle Präparate, vor allem Nervenpräparate her, denn sein wissenschaftliches Interesse galt vorrangig der Neuroanatomie. Die heutigen Sammlungen enthalten ein altes menschliches Rumpfpräparat, bei dem die Brust- und Baucheingeweide seitenverkehrt liegen. Die Herzspitze zeigt z. B. nach rechts, der Magen liegt rechts, der Blinddarm links. Auf Grund von einschlägigen Archivalien und anderen Quellen kann das Präparat der Sammlung des älteren Meckel zugeordnet werden.

Situs inversus, ein Präparat aus der Sammlung des älteren Meckel. Die Organe liegen seitenverkehrt

Nach dem Tode des älteren Meckel übernahm sein Sohn Philipp Friedrich Theodor Meckel den Sammlungsbestand und brachte ihn nach Halle, als er 1779 an der Halleschen Universität die Professur für Anatomie, Chirurgie und Geburtshilfe antrat. Philipp Meckel war ein ausgezeichneter Fachmann. Berühmt ist seine Doktorarbeit „De labyrinthi auris contentis“ über die Anatomie des Innenohres. Er war ein Anatom aus Leidenschaft und ein international anerkannter Geburtshelfer. Er reiste sogar an den Zarenhof nach St. Petersburg zur Entbindung der Zarin Maria Feodorowna. In Halle brachte er den Anatomie-Unterricht auf ein hohes Niveau. Dafür nutzte er den privaten Präparatefundus, den er auf einen Umfang von etwa 3.500 Stücke ausbaute. Zu ihnen  gehörten Trocken- und Feuchtpräparate von Organen und Blutgefäßen, Extremitäten-Präparate, Knochenpräparate und Skelette. Eine Reihe dieser Präparate, die heute in den Sammlungen zu finden sind, stammen aus der Zeit von Ph. Meckel. Unter ihnen sind etliche Stücke, vor allem auch Fehlbildungspräparate, die als Gegenstände für die Untersuchungen zu Doktorarbeiten dienten.

Ph. Meckel starb mit 47 Jahren. Er hatte schriftlich bestimmt, dass sein Körper nach dem Tode seziert und skelettiert und sein Knochengerüst zusammengesetzt werde und einen eigenen Schrank zur Aufbewahrung erhalte. So geschah es. Das berühmte Meckel-Skelett ist in den Sammlungen in einem besonderen Schrank zu finden. Es weist einen zusätzlichen Wirbel mit einem 13. Rippenpaar (Lendenrippen) auf. Das Meckelsche Kabinett befand sich damals im Riesenhaus, das Ph. Meckel 1799 käuflich erworben hatte. Am 12. Juli 1802 führte Meckels Prosektor Carl Friedrich Senff (1776-1816) den berühmten Dichter J. W. v. Goethe (1749-1832) durch die Sammlungen.

Philipp Friedrich Theodor Meckel (1755-1803)

Der berühmteste der Anatomen-Familie Meckel ist Johann Friedrich Meckel d. J. Er entdeckte den nach ihm benannten Knorpel im Bereich des ersten Kiemenbogens während der Entwicklung des Kopfskelettes. Nach ihm ist auch ein Anhängsel des unteren Dünndarmabschnittes, das Diverticulum ilei, benannt, das in zwei Prozent der Menschen auftreten kann. Er beschrieb außerdem das nach ihm benannte Meckel-Syndrom, einen Fehlbildungskomplex  mit folgenden drei Merkmalen: Encephalocele (abnorme Ausstülpung des Gehirnes), Polydactylie (Mehrfingrigkeit und –zehigkeit) und Cystennieren. Meckel d. J. ist der Begründer der wissenschaftlichen Teratologie, d. h. der Lehre von den Fehlbildungen. Um es zu präzesieren bezeichnen wir Ihn als den Begründer der Entwicklungspathologie und Syndromologie. Auf dem Gebiete der vergleichenden Anatomie leistete er Hervorragendes; er gilt als der deutsche Cuvier. Meckel d. J. verfasste drei Handbücher, und zwar zur menschlichen, pathologischen und vergleichenden Anatomie.  Seine Forschungen stützten sich auf das Arsenal von Präparaten, die sein Großvater, sein Vater und er über Jahrzehnte zusammentrugen. Die von Meckel d. J. hinzugefügten Stücke machten etwa drei Fünftel des Gesamtbestandes von etwa 12.000 Präparaten, wenn nicht sogar auf 16.000 Stücke aus.

Johann Friedrich Meckel d.J. (1781-1833) Begründer der wissenschaftlichen Teratologie, der Lehre von den Fehlbildungen

Zu jenem Zeitpunkt setzten sich die Meckelschen Sammlungen aus den Bereichen zur menschlichen, pathologischen und vergleichenden Anatomie zusammen. Der Sammlungsbereich zur vergleichenden Anatomie war der größte mit etwa 4.500 Präparaten. Die ersten Anregungen zu diesem Teilgebiet der Anatomie erhielt Meckel d. J. an der Göttinger Universität, als er in den Jahren 1801 und 1802 Johann Friedrich Blumenbachs (1752-1840) Vorlesungen über vergleichende Anatomie hörte. In der Beschaffung des wissenschaftlichen Untersuchungsmaterials war Meckel d. J. unermüdlich. Fleiß, Gründlichkeit und Scharfsinn kennzeichneten seinen forscherischen Drang. Zur Wiederkehr seines 100. Geburtstages wurde ihm zu Ehren eine Erinnerungstafel gestiftet, die im Vestibül des Institutes für Anatomie und Zellbiologie zu finden und auf der zu lesen ist: Dem Begründer dieser Sammlungen, dem Professor der Anatomie und Physiologie an hiesiger Universität, Dr. Johann Friedrich Meckel, geb. zu Halle a. S. am 17. Oct. 1781, gest. ebenda am 31. Oct. 1833, dem Sohne und Enkel berühmter Anatomen, dem Begründer der Teratologie, dem großen Förderer der menschlichen und vergleichenden Anatomie, zum Gedächtnis.

Meckelsches Divertikel. Trockenpräparat, hergest. von P. Eisler, 1892